Schlagwort-Archiv: Theologie

Sprachrecycling: Rechtfertigung

In unseren Ohren klingt das Wort “Rechtfertigung” unheimlich altmodisch. Wer kann mit so einem Wort überhaupt noch etwas anfangen? So ähnlich ging es mir bis vor kurzem auch noch, doch in letzter Zeit bin ich des öfteren in Vorlesungen, beim Bibellesen oder auch bei alltäglichen Dingen auf das Wort “Rechtfertigung/rechtfertigen” gestoßen.
War dir bewusst, dass rechtfertigen etwas ist, das du jeden Tag tust? Du rechtfertigst dich gegenüber dir selbst, wenn du z.B. morgens vor dem Spiegel stehst und die Entscheidung triffst, ob du so unter Menschen gehen kannst oder nicht. Du rechtfertigst dich gegenüber anderen Menschen in jeder Diskussion, die du führst. Und vermutlich rechtfertigst du dich auch immer wieder vor Gott: “Naja, ich dachte halt…” “Ist das wirklich so schlimm?” “Aber andere machen ja auch…”
Wenn wir uns rechtfertigen ist das ein Zeichen für Unfreiheit. Wir sind gefangen in Idealen und haben das Gefühl in irgendeiner Weise nicht richtig zu sein und nicht zu genügen. Wir versuchen uns selbst in irgendeiner Weise gerecht zu sprechen, versuchen zu beweisen, dass wir im Recht sind. Ich weiß nicht wie es dir geht, aber ich finde das unheimlich anstrengend, sich immer wieder diesen Spiegel vorzuhalten. Was für ein Geschenk ist es da zu wissen, dass Gott uns durch Jesus gerechtfertigt hat. Wir können uns davon befreien uns immer rechtfertigen zu müssen, weil wir wissen dürfen: Ich bin schon längst gerecht gesprochen. Vielleicht kannst du versuchen dir das heute oder morgen früh vor Augen zu führen, wenn du in den Spiegel schaust!
“Wie nun durch die Sünde des Einen die Verdammnis über alle Menschen gekommen ist, so ist auch durch die Gerechtigkeit des Einen für alle Menschen die Rechtfertigung gekommen, die zum Leben führt.” Römer 5,18

Frühlingsupdate

Es wird Zeit, dass ich euch mal wieder ein wenig auf dem laufenden halte, was bei mir so abgeht.
Deshalb hier ein kleines Frühlingsupdate:
# Hebräisch: Gerade eben komme ich aus meiner mündlichen Hebräischprüfung und kann jetzt erleichtert einen Haken hinter diese Sprache setzen, auch wenn sie mir um einiges leichter fiel als die Sprachen davor.

# Konfi: Im letzten dreiviertel Jahr durfte ich fünf Konfimädchen intensiv bei 8 Wochenenden begleiten. Am Sonntag nach Ostern wurden sie jetzt konfirmiert. An so einem Tag ist man gleichzeitig stolz auf seine Mädchen und gleichzeitig ein wenig traurig, dass die Zeit vorbei ist.

# Homiletik (Predigtlehre): Seit dem Sommersemester habe ich dieses Fach und es ist ganz schnell zu einem meiner Lieblingsfächer geworden. Es beschäftigt mich sehr, wie ich die Texte der Bibel so vermitteln kann, dass die Menschen möglichst viel davon haben. (Auch wenn das natürlich in erster Linie daran liegt, dass die Bibel Gottes Wort ist und nicht weil ich was mega tolles erzähle ;) )

# Zeltzeit: In zwei Wochen beginnt hier in Liebenzell wieder eine spezielle Zeit: die Zeltzeit. Während die Männer das Zelt hochziehen, helfen wir Frauen an allen möglichen Stellen hier auf dem Berg mit, damit die Feste reibungslos von statten gehen können. Es ist immer eine besondere Zeit der Gemeinschaft und ein Heraustreten aus dem Alltag. Natürlich würde ich mich auch freuen, wenn ich viele Leute auf einer der Veranstaltungen sehen würde. Es ist ja für jede Altersgruppe etwas dabei.

# Hauptstudium: Vor ein paar Wochen durfte ich die Fächer für das nächste Jahr wählen. Ich freu mich, dass der Unterricht immer intensiver und detailreicher wird, aber irgendwie ist es schon auch ziemlich krass, dass im Sommer schon die Hälfe meines Studiums vorbei ist.

# So das wars: was mir jetzt spontan eingefallen ist. In ein paar Tagen kommt dann vielleicht nochmal ein theologischer Beitrag.

Aus neu wird alt

Es ist fast unglaublich. Jetzt bin ich schon ein ganzes Jahr hier in Liebenzell. Irgendwie ist es sehr komisch plötzlich nicht mehr zu den Neuen zu gehören, sondern zu den Alten, die den Einsern erklären wie der Hase läuft. Das Jahr ging so rasend schnell vorbei, dass ich es kaum glauben kann. Habe ich nicht gerade erst selbst erlebt wie man in den ersten Tagen vollgestopft mit Informationen über das Herbstmissionsfest läuft und eigentlich das Gefühl hat keinen Plan von nichts zu haben? Stattdessen erleben das nun meine zwei neuen WG-Mitbewohnerin (Sehr nett, die Zwei!).
Wieder hierher gekommen bin ich direkt aus den warmen Gefilden der Toskana. Dort durfte ich bei einer Freizeit das Teenieprogramm mit 21 genialen Teens machen. Im Vorfeld war das Ganze ziemlich stressig, aber die Freizeit selbst war dann echt entspannt. Morgens hatten wir Programm und nachmittags stand dann meist ein Ausflug auf dem Programm. Wer lieber am Pool chillen wollte konnte das natürlich auch tun.
Für Freitag heißt es dann gleich wieder Koffer packen, auch wenn sich die Anreisezeit sehr in Grenzen hält. Ich darf nämlich dieses Jahr bei der Konfirmandenarbeit mithelfen. Die findet hier nicht wie gewöhnlich einmal pro Woche statt, sondern die Konfirmanden treffen sich an 8 Wochenenden im Monbachtal. Auf diese Arbeit bin ich schon sehr gespannt.
Nach diesem Wochenende geht es dann auch gleich wieder mit den Vorlesungen los. Besonders gespannt bin ich auf Hebräisch, denn der Hebräischunterricht macht den Schwerpunkt des 3. und 4. Semesters aus, aber auch auf die anderen Fächer wie Dogmatik bin ich schon gespannt.

Beten mit Kindern

Im letzten Semester hatten wir in Pädagogik eine Einheit zum Thema “Beten mit Kindern”, die ich sehr spannend und wichtig fand.
Beten, die Kommunikation mit Gott, ist so wichtig und zwar nicht erst ab dem Teeniealter. Deshalb ging es in dieser Einheit darum, dass in Jungscharstunden, im Kindergottesdienst oder wo auch immer das Gebet ebenso wichtig sein sollte wie die biblische Geschichte, Spiel und Spaß oder das Singen.
Wer hat nicht schon gerade zu Kindern gesagt: “Lasst und jetzt noch schnell beten und dann können wir spielen.” Dabei sollte das Beten doch nichts sein, dass der Freude im Weg steht und eben noch schnell abgehandelt werden muss. Gerade im Gebet können auch Kinder vieles erleben: Einen Vater der sie über alles liebt, einen Freund dem sie alles erzählen können und auch die Anteilnahme anderer, wenn man füreinander betet. Wenn wir als Leiter das nicht authentisch vorleben und uns für das Gebet Zeit nehmen, wird das bei den Kindern nicht ankommen und das Gebet ein lästiges Anhängsel bleiben.
Nach dieser Pädagogikstunde möchte ich versuchen, das Gebet in Kindergruppen ganz klar einzuplanen und mich gerade hier nicht stressen zu lassen. Das wird zwar sicher nicht immer einfach, wenn die Kinder auf ihren Stühlen rumrutschen und andere Dinge in dem Moment gerade viel interessanter finden, aber ich denke ein Bewusstsein dafür ist schon der erste Schritt ;)

Das Granatapfelproblem im Hohelied

Auf morgen sollten wir für Einführung in das alte Testament das Hohelied der Liebe und einen weiterführenden Text lesen. Als brave Studenten habe ich das natürlich bereits erledigt. Die Frage nach der Auslegung des Hohelied fand ich schon interessant. Ich meine, was hat so ein Buch im Kanon des Alten Testamentes zu suchen? Interessant fand ich, dass eine allegorische Auslegung in so weit zu rechtfertigen ist, dass der Kontext, in diesem Fall der Kontext des alttestamentlichen Kanons, ein Einfluss hat auf die Auslegung des Textes.

Das ist aber eigentlich nicht das, was ich berichten wollte, denn beim Lesen ist mir noch eine Sache aufgefallen.
Ich möchte kurz aus Luther zitieren:
“Deine Lippen sind wie eine scharlachfarbene Schnur, und dein Mund ist lieblich. Deine Schläfen sind hinter deinem Schleier wie eine Scheibe vom Granatapfel.” Hl 4,3
Ähnlich wird es auch in Hl 6 noch einmal beschrieben.
Den Vergleich “Lippen wie eine scharlachfarbene Schnur” kann ich noch gut verstehen und scheint mir auch ein Kompliment zu sein. mit dem Vergleich “Schläfen wie eine Scheibe vom Granatapfel” musste ich dann aber doch sehr hadern. Ich habe mir versucht das ganze vorzustellen und konnte daran einfach nichts attraktives finden. Dann habe ich versucht das Ganze mal mit Gimp darzustellen. Das Ergebnis könnt ihr hier sehen:
Granatapfel

Also ich weiß ja nicht…irgendwie finde ich sieht das weniger attraktiv und viel eher lustig aus. Könnte beinahe eine Spezies aus Star Trek sein…oder was meint ihr? :D

Der Anschein von Alter

In unserem Unterricht ging es vor kurzem um die Schöpfungsgeschichte und mögliche Versuche biblischen Schöpfungsbericht und Wissenschaft zusammen zu bringen. Ein häufiges und gutes Argument ist, dass die Bibel keine wissenschaftlichen, sondern nur theologische Ansprüche hat. Dieses Argument war mir schon bekannt, neu war mir aber eine weitere Denkmöglichkeit, die uns unser Professor vorstellte. Er ging auf die Möglichkeit ein, dass Gott die Welt mit einem Anschein von Alter geschaffen haben könnte. Damit ist gemeint: Die Welt existiert noch nicht so lange wie sie scheint zu existieren, weil Gott sie quasi nicht als 0 – jährige Erde schuf, sondern als Erde, die anscheinend schon mehrere Millionen Jahre alt ist. Als Stütze für diese Möglichkeit dient dabei die Erzählung von der Speisung der 5000 bei der neben den Broten auch Fische vermehrt werden. Hätte man nun diesen Fisch oder die Teile des Fisches, die ausgeteilt wurde untersucht wäre man sicher nicht zu dem Ergebnis gekommen, dass dieser Fisch erst ein paar Minuten alt ist. Stattdessen wäre man vermutlich zu der Feststellung gekommen, dass dieser Fisch mehrere Jahre lang gewachsen ist, um seine Größe zu erreichen und dem nach auch schon mehrere Jahre alt ist. Genauso kann man es auch auf das vermehrte Brot übertragen. Jeder der Menschen, der ein Stück davon in der Hand hielt, ging davon aus, dass dieses Brot aus einem Teig entstanden war und dann gebacken worden war. In Wirklichkeit existierte es aber nie im Zustand des Teiges. Überträgt man dies auf die Erde so scheint sie in früheren Zuständen gewesen zu sein bzw. auf bestimmte Weise entstanden zu sein, war aber nie wirklich in diesen Entwicklungsstufen (quasi nie in der Stufe des Teiges).

Ich persönlich weiß noch nicht ganz, was ich von dieser Theorie halten soll, ich denke aber, dass es theoretisch eine plausible Erklärung sein könnte. Es ist auf jeden Fall eine These über die man nachdenken könnte. Wie alles wirklich war, werden wir wohl erst bei Gott erfahren.

Fluch und Segen Davids

In “Einführung in das alte Testament” haben wir uns mit König David, seiner Sünde und den Folgen daraus beschäftgt.
Er schlief mit Batseba, einer verheirateten Frau und tötete auch noch deren Mann. Die Strafe für seine Sünden steht in enger Beziehung mit seinen eigenen Vergehen. In seiner Familie kommt es zu sexuellen Vergehen: Amnon vergewaltigt seine Schwester Tamar und Davids Sohn Absalom vergreift sich an dem Harem seines Vaters. Genauso kommt es auch zu mehreren gewaltsamen bzw. frühzeitigen Toden: Der Sohn mit Batseba stirbt als Baby. Absalom tötet seinen Bruder Amnon und dieser wird später, als er den Aufstand gegen seinen Vater wagt, von dessen Heerführer Joab getötet. Das klingt alles sehr schrecklich und nicht wirklich nach einem gnädigen Gott, oder? Nach einem gerechten Gott schon eher. David wird mit ähnlichen Vergehen bestraft, wie jene die er selbst Begangen hat.
Und jetzt kommt mein ABER:
Ja, David erhält eine gerechte Strafe für seine Vergehen, aber die Strafe hat ein Anfang und ein Ende. Sie ist begrenzt. Im Gegensatz dazu steht der Segen den David von Gott erhält. Schon lange vor seiner Sünde hat Gott ihn erwählt, damals als junger Hirte wurde er von Samuel ohne dass er irgendwelche großen Taten vollbracht hatte zum König gekrönt; und Gottes Segen geht weit über die Zeit der Strafe hinaus. Die Segenslinie Davids geht, wie wir wissen, bis zu Jesus, dem größten Segen der Menschheit überhaupt. Außerdem entsteht diese Linie über Salomo gerade eben aus der Beziehung mit Batseba. Das Schuldbekenntnis selbst wird zum Segen und hält im Gegensatz zum Fluch Davids weit über sein Leben hinaus an. Segen und Gnade übertreffen bei weitem Fluch und Strafe. Ist Gott also wirklich nur gerecht? Ich sage: Nein! Gott ist beides: Gerecht und gnädig.

Das erste halbe Jahr

Ein Semester lebe und lerne ich inzwischen in Bad Liebenzell und schon jetzt habe ich viele neue Erfahrungen gesammelt, die ich hier teilen möchte. Ich möchte berichten von meinem Leben hier auf dem Missionsberg, möchte Denkanstöße zu theologischen Themen geben und von Erkenntnissen erzählen, die ich in meinem Studium bekommen habe.

Gut eingelebt habe ich mich in Liebenzell bereits. Ich wohne mit drei anderen Mädchen in einer WG, in der wir es uns nach einigen Wochen auch angenehm eingerichtet hatten. Gerade mit meiner Zimmermitbewohnerin verstehe ich mich unheimlich gut. Manchmal müssen wir uns abends richtig zusammenreißen, damit wir uns nicht noch zu lange austauschen :D
Auch über meine Klasse bin ich Gott sehr dankbar. Wir sind 12 Männer und 5 Frauen. Das sind für die Theologieklassen an der IHL (Internationale Hochschule Liebenzell) eher viele Frauen, darüber bin ich natürlich froh. Insgesamt ist die Klassenatmosphäre sehr gut, obwohl wir doch stark unterschiedliche Charaktere vereinen. Immer Montags treffen wir uns zum Theologenkaffee und beten zusammen, das stärkt die Klassengemeinschaft besonders.

Zusammen mit einigen meiner Kommilitonen und Kommilitoninnen treffe ich mich in der Regel wöchentlich zum Hauskreis. Dabei geht es uns aber stärker um den persönlichen Austausch und gemeinsamen Lobpreis als ums Bibelstudium. In unserem Studium beschäftigen wir uns schon so viel mit theologischen Fragen, dass wir gar nicht unbedingt alles geistlich verarbeiten können.
Neben den Vorlesungen haben wir Dienstags und Donnerstags ein gemeinsames Frühstück mit allen Studenten. Nach dem Essen beten wir für verschiedenste Gebetsanliegen, die wir von den Liebenzeller Missionaren übermittelt bekommen und es gibt eine Andacht von einem Studenten oder einem Dozenten. Mittwochs treffen wir uns abends zum Essen. Dort gibt es einen Lobpreisblock und längere Themen z.B. Berichte von Missionaren. Wir bekommen also auch hier nochmal einiges an Input.
Sonntags gehe ich meist noch mit meinen Mitbewohnerinnen in den Gottesdienst in der Missionsberggemeinde. Ab dem nächsten Semester mache ich dort in der Gemeinde ab und an auch Kindergottesdienst.

Im Studium hatte ich im ersten Semester folgende Fächer: Einführung in das alte Testament, Einführung in das neue Testament, Einführung in Theorie und Praxis der Pädagogik, Bibelkunde, Persönlichkeitsentwicklung, Einführung in die Theologie und Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten. Da ich Griechisch bereits in der Schule gelernt habe, konnte ich es akkreditieren lassen und konnte aus dem dritten Semester Einführung in die Kirchen und Missionsgeschichte vorziehen. Im nächsten Halbjahr fallen Persönlichkeitsentwicklung, Einführung in die Theologie und Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten weg. Dafür kommt Hermeneutik hinzu. Darauf bin ich schon gespannt!