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Abhängigkeit

Eigentlich wollen wir Menschen gerne unabhängig sein in unserem Leben, wir wollen selbst entscheiden und alles aus uns selbst schaffen und grundsätzlich möchte auch ich gerne alles allein schaffen und gut machen. In letzter Zeit ging es mir aber manchmal auch so, dass ich gerne auch mal etwas schaffen wollte von dem ich genau wusste, dass ich es nur in der Abhängigkeit von Gott geschafft habe und nicht einfach so. Ich weiß nicht, ob du diesen Wunsch nachvollziehen kannst, aber wenn andere Menschen erzählen, wie sie erlebt haben, dass sie das nur geschafft haben, weil Gott sie in diesem Moment dazu befähigt hat, dann strahlen ihre Augen (z.B. zum Teil bei meinen Klassenkameraden als sie Hebräisch bestanden haben). Sie durften in dieser Hilflosigkeit Gott erleben.
Letzte Woche durfte ich auch so ein Erlebnis haben und zwar bei einem Lobpreisabend, den wir Studenten geplant hatten. Ich war für die Band und die Liederauswahl zuständig, war jedoch die Woche davor die ganze Zeit weg. Wir hatten also genau eine Probe um 13 Lieder zu proben und während dieser Woche änderte sich die Bandzusammensetzung mehrmals und ich konnte das alles nur aus der Ferne irgendwie organisieren. Mich hat das unheimlich hilflos gemacht. Die Lieder hatte ich bereits vor dieser Woche rausgesucht und ich glaube ich habe noch nie so viel über eine Liedauswahl gebetet. Meiner Band hatte ich versucht zu erklären, was ich mir bei der Reihenfolge der Lieder gedacht hatte, aber irgendwie haben sie es überhaupt nicht verstanden, weil ich es auch nicht richtig ausdrücken konnte. Ich dachte danach: Naja, dann singen wir halt irgendwie die Lieder und fertig.
Als dann aber der Lobpreisabend gekommen war, durfte ich echt sehen wie Gott alles zusammengeführt hat. Die Lieder haben unheimlich gut zu dem Input und den Zeugnissen gepasst und es hat trotz des wenigen Probens alles super geklappt mit der Band und ich stand da und wusste eins ganz genau: Das hatte nicht ich irgendwie geschafft, sondern allein Gott.
Als Fazit möchte ich daraus für mich ein paar Dinge ziehen. Zuerst einmal möchte ich mehr auch in Situationen, in denen ich mich eigentlich sicher fühle um Gottes Gnade und sein dazutun bitten. Ich möchte in Situationen der Abhängigkeit mehr darauf vertrauen, dass er es gut machen wird, weil ich genau das erleben durfte und zuletzt möchte ich dafür dankbar sein, dass Gott mich begabt hat und auch in den Momente dankbar sein für Gottes Zutun, wenn ich nicht sonderlich erstaunt darüber bin, dass es geklappt hat.

Rezensiert: Der Klang (Martin Schleske)

Ich möchte eine kleine Beitragsreihe starten, in der ich ein bisschen was zu den Büchern schreiben möchte, die ich so lese. Was ist empfehlenswert? Und für wen? Was hat mich persönlich besonders angesprochen?

Den ersten Beitrag starte ich mit dem Buch “Der Klang – Vom unerhörten Sinn des Lebens”. An diesem Buch lese ich schon sehr lange, habe es aber jetzt endlich geschafft es ganz zu lesen. Warum ich so lange gebraucht habe? Was Martin Schleske schreibt ist einfach unheimlich intensiv. Seine Sätze sind zum Teil verschachtelt, aber wenn man sie mal verstanden hat bieten sie einen unheimlichen Reichtum und ich hatte beim Lesen einige Punkte, an denen ich glaube jetzt ein kleines Stücken mehr von Gott offenbart bekommen zu haben.
Martin Schleske ist Geigenbauer, aber in seinem Buch schlägt er vom Geigenbau Gleichnisse zu Leben und Glauben. Seine Gleichnisse ermutigen zum Weiterdenken und zu der Bereitschaft neues zu entdecken.
Ganz besonders spannend fand ich seine Worte zum Thema Gegensätzlichkeit. Er sieht die Schönheit und Perfektion nicht in einem einzigen Ideal, sondern in dem Zusammenspiel aus einem Gegensatzpaar. So entspricht Jesus selbst diesem Gegensatz. Er scheint für uns in gewisserweise paradox. Zum einen ist er der triumphale Messias und zum anderen ist er der, der in größter Schande am Kreuz stirbt. Nur in dieser Gegensätzlichkeit liegt die Größe Jesu. Auch in unserer Beziehung zu ihm ist es ähnlich. Sie braucht das vertraute, aber immer wieder auch den überraschenden Moment, nur so bleibt sie lebendig.
Zu viel möchte ich aber jetzt nicht verraten, weil vielleicht hat der ein oder andere ja Lust bekommen.
Ich empfehle das Buch jedem, der gerne auch etwas tiefer denkt und es aushält auch einmal an einem Text ein wenig zu knabbern und ihn vielleicht nochmal zu lesen, um ihn zu verstehen. Wenn du dann auch noch Musik begeistert bist, ist es das perfekte Buch für dich!

Sprachrecycling: Rechtfertigung

In unseren Ohren klingt das Wort “Rechtfertigung” unheimlich altmodisch. Wer kann mit so einem Wort überhaupt noch etwas anfangen? So ähnlich ging es mir bis vor kurzem auch noch, doch in letzter Zeit bin ich des öfteren in Vorlesungen, beim Bibellesen oder auch bei alltäglichen Dingen auf das Wort “Rechtfertigung/rechtfertigen” gestoßen.
War dir bewusst, dass rechtfertigen etwas ist, das du jeden Tag tust? Du rechtfertigst dich gegenüber dir selbst, wenn du z.B. morgens vor dem Spiegel stehst und die Entscheidung triffst, ob du so unter Menschen gehen kannst oder nicht. Du rechtfertigst dich gegenüber anderen Menschen in jeder Diskussion, die du führst. Und vermutlich rechtfertigst du dich auch immer wieder vor Gott: “Naja, ich dachte halt…” “Ist das wirklich so schlimm?” “Aber andere machen ja auch…”
Wenn wir uns rechtfertigen ist das ein Zeichen für Unfreiheit. Wir sind gefangen in Idealen und haben das Gefühl in irgendeiner Weise nicht richtig zu sein und nicht zu genügen. Wir versuchen uns selbst in irgendeiner Weise gerecht zu sprechen, versuchen zu beweisen, dass wir im Recht sind. Ich weiß nicht wie es dir geht, aber ich finde das unheimlich anstrengend, sich immer wieder diesen Spiegel vorzuhalten. Was für ein Geschenk ist es da zu wissen, dass Gott uns durch Jesus gerechtfertigt hat. Wir können uns davon befreien uns immer rechtfertigen zu müssen, weil wir wissen dürfen: Ich bin schon längst gerecht gesprochen. Vielleicht kannst du versuchen dir das heute oder morgen früh vor Augen zu führen, wenn du in den Spiegel schaust!
“Wie nun durch die Sünde des Einen die Verdammnis über alle Menschen gekommen ist, so ist auch durch die Gerechtigkeit des Einen für alle Menschen die Rechtfertigung gekommen, die zum Leben führt.” Römer 5,18

Fluch und Segen Davids

In “Einführung in das alte Testament” haben wir uns mit König David, seiner Sünde und den Folgen daraus beschäftgt.
Er schlief mit Batseba, einer verheirateten Frau und tötete auch noch deren Mann. Die Strafe für seine Sünden steht in enger Beziehung mit seinen eigenen Vergehen. In seiner Familie kommt es zu sexuellen Vergehen: Amnon vergewaltigt seine Schwester Tamar und Davids Sohn Absalom vergreift sich an dem Harem seines Vaters. Genauso kommt es auch zu mehreren gewaltsamen bzw. frühzeitigen Toden: Der Sohn mit Batseba stirbt als Baby. Absalom tötet seinen Bruder Amnon und dieser wird später, als er den Aufstand gegen seinen Vater wagt, von dessen Heerführer Joab getötet. Das klingt alles sehr schrecklich und nicht wirklich nach einem gnädigen Gott, oder? Nach einem gerechten Gott schon eher. David wird mit ähnlichen Vergehen bestraft, wie jene die er selbst Begangen hat.
Und jetzt kommt mein ABER:
Ja, David erhält eine gerechte Strafe für seine Vergehen, aber die Strafe hat ein Anfang und ein Ende. Sie ist begrenzt. Im Gegensatz dazu steht der Segen den David von Gott erhält. Schon lange vor seiner Sünde hat Gott ihn erwählt, damals als junger Hirte wurde er von Samuel ohne dass er irgendwelche großen Taten vollbracht hatte zum König gekrönt; und Gottes Segen geht weit über die Zeit der Strafe hinaus. Die Segenslinie Davids geht, wie wir wissen, bis zu Jesus, dem größten Segen der Menschheit überhaupt. Außerdem entsteht diese Linie über Salomo gerade eben aus der Beziehung mit Batseba. Das Schuldbekenntnis selbst wird zum Segen und hält im Gegensatz zum Fluch Davids weit über sein Leben hinaus an. Segen und Gnade übertreffen bei weitem Fluch und Strafe. Ist Gott also wirklich nur gerecht? Ich sage: Nein! Gott ist beides: Gerecht und gnädig.