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Das Granatapfelproblem im Hohelied

Auf morgen sollten wir für Einführung in das alte Testament das Hohelied der Liebe und einen weiterführenden Text lesen. Als brave Studenten habe ich das natürlich bereits erledigt. Die Frage nach der Auslegung des Hohelied fand ich schon interessant. Ich meine, was hat so ein Buch im Kanon des Alten Testamentes zu suchen? Interessant fand ich, dass eine allegorische Auslegung in so weit zu rechtfertigen ist, dass der Kontext, in diesem Fall der Kontext des alttestamentlichen Kanons, ein Einfluss hat auf die Auslegung des Textes.

Das ist aber eigentlich nicht das, was ich berichten wollte, denn beim Lesen ist mir noch eine Sache aufgefallen.
Ich möchte kurz aus Luther zitieren:
“Deine Lippen sind wie eine scharlachfarbene Schnur, und dein Mund ist lieblich. Deine Schläfen sind hinter deinem Schleier wie eine Scheibe vom Granatapfel.” Hl 4,3
Ähnlich wird es auch in Hl 6 noch einmal beschrieben.
Den Vergleich “Lippen wie eine scharlachfarbene Schnur” kann ich noch gut verstehen und scheint mir auch ein Kompliment zu sein. mit dem Vergleich “Schläfen wie eine Scheibe vom Granatapfel” musste ich dann aber doch sehr hadern. Ich habe mir versucht das ganze vorzustellen und konnte daran einfach nichts attraktives finden. Dann habe ich versucht das Ganze mal mit Gimp darzustellen. Das Ergebnis könnt ihr hier sehen:
Granatapfel

Also ich weiß ja nicht…irgendwie finde ich sieht das weniger attraktiv und viel eher lustig aus. Könnte beinahe eine Spezies aus Star Trek sein…oder was meint ihr? :D

Der Anschein von Alter

In unserem Unterricht ging es vor kurzem um die Schöpfungsgeschichte und mögliche Versuche biblischen Schöpfungsbericht und Wissenschaft zusammen zu bringen. Ein häufiges und gutes Argument ist, dass die Bibel keine wissenschaftlichen, sondern nur theologische Ansprüche hat. Dieses Argument war mir schon bekannt, neu war mir aber eine weitere Denkmöglichkeit, die uns unser Professor vorstellte. Er ging auf die Möglichkeit ein, dass Gott die Welt mit einem Anschein von Alter geschaffen haben könnte. Damit ist gemeint: Die Welt existiert noch nicht so lange wie sie scheint zu existieren, weil Gott sie quasi nicht als 0 – jährige Erde schuf, sondern als Erde, die anscheinend schon mehrere Millionen Jahre alt ist. Als Stütze für diese Möglichkeit dient dabei die Erzählung von der Speisung der 5000 bei der neben den Broten auch Fische vermehrt werden. Hätte man nun diesen Fisch oder die Teile des Fisches, die ausgeteilt wurde untersucht wäre man sicher nicht zu dem Ergebnis gekommen, dass dieser Fisch erst ein paar Minuten alt ist. Stattdessen wäre man vermutlich zu der Feststellung gekommen, dass dieser Fisch mehrere Jahre lang gewachsen ist, um seine Größe zu erreichen und dem nach auch schon mehrere Jahre alt ist. Genauso kann man es auch auf das vermehrte Brot übertragen. Jeder der Menschen, der ein Stück davon in der Hand hielt, ging davon aus, dass dieses Brot aus einem Teig entstanden war und dann gebacken worden war. In Wirklichkeit existierte es aber nie im Zustand des Teiges. Überträgt man dies auf die Erde so scheint sie in früheren Zuständen gewesen zu sein bzw. auf bestimmte Weise entstanden zu sein, war aber nie wirklich in diesen Entwicklungsstufen (quasi nie in der Stufe des Teiges).

Ich persönlich weiß noch nicht ganz, was ich von dieser Theorie halten soll, ich denke aber, dass es theoretisch eine plausible Erklärung sein könnte. Es ist auf jeden Fall eine These über die man nachdenken könnte. Wie alles wirklich war, werden wir wohl erst bei Gott erfahren.

Fluch und Segen Davids

In “Einführung in das alte Testament” haben wir uns mit König David, seiner Sünde und den Folgen daraus beschäftgt.
Er schlief mit Batseba, einer verheirateten Frau und tötete auch noch deren Mann. Die Strafe für seine Sünden steht in enger Beziehung mit seinen eigenen Vergehen. In seiner Familie kommt es zu sexuellen Vergehen: Amnon vergewaltigt seine Schwester Tamar und Davids Sohn Absalom vergreift sich an dem Harem seines Vaters. Genauso kommt es auch zu mehreren gewaltsamen bzw. frühzeitigen Toden: Der Sohn mit Batseba stirbt als Baby. Absalom tötet seinen Bruder Amnon und dieser wird später, als er den Aufstand gegen seinen Vater wagt, von dessen Heerführer Joab getötet. Das klingt alles sehr schrecklich und nicht wirklich nach einem gnädigen Gott, oder? Nach einem gerechten Gott schon eher. David wird mit ähnlichen Vergehen bestraft, wie jene die er selbst Begangen hat.
Und jetzt kommt mein ABER:
Ja, David erhält eine gerechte Strafe für seine Vergehen, aber die Strafe hat ein Anfang und ein Ende. Sie ist begrenzt. Im Gegensatz dazu steht der Segen den David von Gott erhält. Schon lange vor seiner Sünde hat Gott ihn erwählt, damals als junger Hirte wurde er von Samuel ohne dass er irgendwelche großen Taten vollbracht hatte zum König gekrönt; und Gottes Segen geht weit über die Zeit der Strafe hinaus. Die Segenslinie Davids geht, wie wir wissen, bis zu Jesus, dem größten Segen der Menschheit überhaupt. Außerdem entsteht diese Linie über Salomo gerade eben aus der Beziehung mit Batseba. Das Schuldbekenntnis selbst wird zum Segen und hält im Gegensatz zum Fluch Davids weit über sein Leben hinaus an. Segen und Gnade übertreffen bei weitem Fluch und Strafe. Ist Gott also wirklich nur gerecht? Ich sage: Nein! Gott ist beides: Gerecht und gnädig.