Kategorie-Archiv: grübeln

Hier poste ich Gedanken zu theologische Themen über die ich gerade so nachdenke. Gerade hier freue ich mich über viele Kommentare und eure Meinung zu den Themen, weil meist habe ich mir selbst noch keine feste Meinung gebildet.

Extra me

Momentan habe ich das Gefühl, Gott spricht gerne in Bildern zu mir. Er nimmt ein Bild aus meiner Lebenswelt und lässt mich daran etwas neues erkennen in meiner Beziehung zu ihm. Eines dieser Bilder möchte ich gerne mit euch teilen. Es ist mir während dem Lobpreis hier bei uns in Liebenzell gekommen. Wie ich so da stand und meine Hände gehoben hatte musste ich an meinen Physiotermin einen Tag zuvor denken. Mein Physiotherapeut hatte mit mir über gesunde Haltung gesprochen und darüber, dass eine entspannte Haltung für die Muskulatur so aussieht, dass Arme und Beine vom Körper weggestreckt sind und sogar die Handflächen und Fußspitzen von meiner Körpermitte weggedreht sind. Die Entspannung liegt also nicht darin “in mir zu ruhen”, sondern liegt außerhalb von mir. Extra me! Ich finde das “extra” drückt das nochmal deutlicher aus. Mich lässt das zur Ruhe kommen was ich nicht in mir selbst finde. Gott ist es, der mich entspannt. Er gibt mir einen Wert der außerhalb von mir selbst liegt. Einen Wert, den ich damit auch nicht verlieren kann. Ist es nicht ein cooles Bild, dass mein Körper sich natürlicherweise so zu Gott ausstrecken möchte? Vielleicht denkt ihr ja an dieses Bild, wenn ihr das nächste Mal eure Arme im Lobpreis erhebt oder auch dann wenn ihr euch streckt, wenn ihr von eurer anstrengenden Arbeit am Schreibtisch aufsteht: Euer Ziel, euer Sinn, euer Wert, ja euer ganzes Sein ist nicht in euch selbst verborgen, sondern in Gott nachdem sich jede Faser eures Körpers sehnt.

Von Palmen und dem Wind

Das letzte Wochenende war für mich sehr erlebnis- und aufschlussreich, auch wenn ich nicht unbedingt viel besonderes unternommen habe. Dieses Wochenende durfte ich nämlich mit meiner Klasse und einer Dozentin inklusive ihrer Familie verbringen. Hauptsächlich haben wir uns ausgetauscht, Fragen gestellt und sehr persönlichen Vorträgen gelauscht. Ich durfte einiges neues theologisches Gedankengut und praktische Tipss mitnehmen, andererseits durfte ich aber auch viel mit Gott ganz persönlich erleben. Eine Sache, die ich mitbekommen habe an diesem Wochenende und vermutlich beides beinhaltet, möchte ich auf diesem Weg nun mit euch teilen.
Wenn wir uns Palmen vorstellen, dann denken wir an schöne Sandstrände, Kokusnüsse und die warme, salzige Priese des Meeres. Die Blätter der Palme bewegen sich im Wind und auch ihr Stamm weicht bei starken Windböen dem Druck ein wenig aus. Trotz dieses andauernden Kampfes bleibt die Palme stehen und knick nicht ab. Stattdessen trägt sie sogar gute Früchte. Eine Palme, die aber in einem Gewächshaus gezogen wurde könnte diesem Wind nicht standhalten. Sie würde abknicken und obwohl sie vor der Härte des Windes geschützt ist bringt sie keine Frucht. Ihre Wurzeln reichen nicht tief genug, denn erst der Druck gegen Stamm und Blätter lässt die Wurzeln sich tiefer in die Erde graben, die so der Palme ihren festen Stand und auch die nötigen Nährstoffe gibt.
Aber was bedeutet dieses Phänomen der Natur für mich? Was bedeutet es für uns?
Es ist ein gutes Bild dafür wie wir erst durch unsere Herausforderungen im Leben in unserer Beziehung mit Gott wachsen können oder es zumindest besser tun. Nur wenn ich den Halt in Jesus brauche fange ich an tiefer zu graben. Wenn ich mit Leid konfrontiert werde kralle ich mich fester an Jesus und bekomme so durch ihn meine Kraft.
Ich dachte oft: Es ist doch cool, wenn Kinder möglichst behütet aufwachsen und von Problemen wie Tod, Hunger, Scheidung der Eltern, Armut, Gewalt usw verschont bleiben und natürlich wünsche ich auch jetzt keinem Kind, dass es mit diesen Dingen konfrontiert wird, aber vielleicht kann manchmal ein kleiner Geschmack dessen, was andere Erleben müssen sie mehr weiterbringen, als eine vollkommene Bewahrung davor. Wenn sie in ihrer Schule oder wir an anderen Stellen alleine stehen und ihren Glauben gegen andere Meinungen kommunizieren müssen, kann ihnen das oft mehr helfen ihre Wurzeln tiefer in Jesus zu graben und weiter zu suchen, als wenn sie noch eine weitere evangelistische Andacht hören.
Ich bin gerade auch erst am Anfang in diese Richtung zu denken, aber ich wünsche mir, dass ich Kindern und Teens nicht nur zu Jesus bringen kann, sondern dass sie auch zu einer Mündigkeit im Glauben kommen und selbst weiterdenken und weiterfragen ohne meine Hilfe. Ich wünsche mir, dass sie von sich aus versuchen ihre Wurzeln tiefer zu schlagen und sich nach Jesus ausstrecken und vielleicht ist dazu dieser Ansatz, den ich hier beschrieben habe gar nicht so falsch.

Und wie sieht deine Stadt aus?

So jetzt ist bei mir endlich mal ein bisschen Ruhe eingekehrt. Ich weiß gar nicht, was man so tut, wenn man Zeit hat. :D Jetzt kann ich endlich von unserem einen Hauskreis erzählen.
Haben wir uns über das Thema Begabungen unterhalten. Wie können unsere Begabungen auch zur Gefahr werden? An welchen Stellen wollen wir unsere Begabungen ausbauen? Dabei ist mir ein gutes Bild eingefallen, das ich mit euch teilen möchte:
Eigentlich kann man sich seine eigenen Begabungen wie eine Stadt vorstellen. Jede Stadt sieht ein wenig anders aus. Der Kirchturm, das Schloss oder der Leuchtturm sind die Fähigkeiten, die besonders herausstechend sind. Manche Leute haben mehrere hohe Türme, aber dafür haben sie auch einige Baracken, die überhaupt nicht schön sind, sondern heruntergefallen aussehen. Das sind dann die Dinge, die wir überhaupt nicht gut können. Andere Leute haben vielleicht kaum besondere Gebäude, aber dafür viele schöne Wohnhäuser und keine hässlichen Baracken. Mit unserer Geburt bekommen wir von Gott unsere Stadt im Rohzustand geschenkt. Manche Gebäude sind schon etwas größer als andere, aber es gibt viele Möglichkeiten die Gebäude auszubauen. Das Material dazu bekommen wir ebenso von Gott geschenkt, aber wir können entscheiden, in welche der Gebäude wir investieren wollen. Wollen wir an den Gebäuden arbeiten, die schon herausragen oder lieber an den kleinen unscheinbaren Gebäuden. Beides verbessert das Bild unserer Stadt. Das Bild kann man immer weiter führen. So haben wir dann auch begonnen über die Einrichtung unserer Häuser und die Verbindung zu den anderen Städten gesprochen. Aber das möchte ich jetzt nicht weiter ausführen, sondern eurer eigenen Kreativität überlassen ;)

P.S. Danke an meinen Hauskreis, dass ihr meine manchmal etwas skurilen Gedankengänge mitmacht ;)

Der Anschein von Alter

In unserem Unterricht ging es vor kurzem um die Schöpfungsgeschichte und mögliche Versuche biblischen Schöpfungsbericht und Wissenschaft zusammen zu bringen. Ein häufiges und gutes Argument ist, dass die Bibel keine wissenschaftlichen, sondern nur theologische Ansprüche hat. Dieses Argument war mir schon bekannt, neu war mir aber eine weitere Denkmöglichkeit, die uns unser Professor vorstellte. Er ging auf die Möglichkeit ein, dass Gott die Welt mit einem Anschein von Alter geschaffen haben könnte. Damit ist gemeint: Die Welt existiert noch nicht so lange wie sie scheint zu existieren, weil Gott sie quasi nicht als 0 – jährige Erde schuf, sondern als Erde, die anscheinend schon mehrere Millionen Jahre alt ist. Als Stütze für diese Möglichkeit dient dabei die Erzählung von der Speisung der 5000 bei der neben den Broten auch Fische vermehrt werden. Hätte man nun diesen Fisch oder die Teile des Fisches, die ausgeteilt wurde untersucht wäre man sicher nicht zu dem Ergebnis gekommen, dass dieser Fisch erst ein paar Minuten alt ist. Stattdessen wäre man vermutlich zu der Feststellung gekommen, dass dieser Fisch mehrere Jahre lang gewachsen ist, um seine Größe zu erreichen und dem nach auch schon mehrere Jahre alt ist. Genauso kann man es auch auf das vermehrte Brot übertragen. Jeder der Menschen, der ein Stück davon in der Hand hielt, ging davon aus, dass dieses Brot aus einem Teig entstanden war und dann gebacken worden war. In Wirklichkeit existierte es aber nie im Zustand des Teiges. Überträgt man dies auf die Erde so scheint sie in früheren Zuständen gewesen zu sein bzw. auf bestimmte Weise entstanden zu sein, war aber nie wirklich in diesen Entwicklungsstufen (quasi nie in der Stufe des Teiges).

Ich persönlich weiß noch nicht ganz, was ich von dieser Theorie halten soll, ich denke aber, dass es theoretisch eine plausible Erklärung sein könnte. Es ist auf jeden Fall eine These über die man nachdenken könnte. Wie alles wirklich war, werden wir wohl erst bei Gott erfahren.